Bald summt und brummt es wieder in Parks, Gärten und auf Balkonen. Bienen fliegen von Blüte zu Blüte und sammeln fleißig Nektar und Pollen. Viele denken hier sofort an die Honigbiene – dabei gibt es in Deutschland rund 550 verschiedene Wildbienenarten. Und genau ihnen geht es oft nicht gut. Während die Honigbiene laut Deutschem Imkerbund so stabile Bestände hat wie lange nicht mehr, sind über die Hälfte der Wildbienenarten gefährdet.
Während in der öffentlichen Diskussion meist die Honigbiene im Mittelpunkt steht, möchte Bernhard Ledermann, Leiter des Grünflächenamts, die Wildbienen in den Fokus rücken. Eines ihrer Probleme: Es fehlt an Nahrung – konkret an geeigneten Pollen und Nektarquellen.
Das Grünflächenamt versucht gegenzusteuern: „In den Parks lassen wir auf den Rasenflächen Blumeninseln stehen. An Bäumen und Sträuchern entwickeln wir blütenreiche Saumstandorte“, erklärt Ledermann. Eintönige Rasenflächen verwandelt das Team nach und nach in bunte, artenreiche Wiesen. Ziel ist ein echtes „Blütenbuffet“ für die kleinen Bestäuber.
Doch auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon kann man etwas für die Wildbienen tun. Wichtig ist nur: Blumenwiese ist nicht gleich Blumenwiese. In Gartencentern locken viele „Bienen-Blühmischungen“ mit knalligen Farben und üppiger Blütenpracht. Hübsch fürs Auge – aber nicht automatisch hilfreich für Wildbienen. Entscheidend ist, welche Pflanzen tatsächlich enthalten sind.
Mit seinem Team vom Grünflächenamt hat Ledermann verschiedene Mischungen genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Manche Produkte wie der „Quedlinburger Bienen- und Hummelmagnet“ oder die „Brandenburger Mischung“ enthalten nur sehr wenige Pflanzenarten, die Wildbienen als Pollen- und Nektarquelle nutzen können. Andere Mischungen schneiden deutlich besser ab, etwa die „Veitshöchheimer Bienenweide“, „Lebensraum 1 – Zeller Saaten“ sowie „KULAP Bayern – lebendiger Acker – trocken“ und „KULAP Bayern – lebendiger Gewässerrand“. Hier ist die Auswahl an geeigneten Pflanzenarten deutlich größer.
Was man bei diesen Ergebnissen nicht vergessen darf: Wildbienen sind wählerische Feinschmecker. Es gibt Wildbienen-Arten, die Pollen von ganz vielen verschiedenen Pflanzen sammeln. Andere hingegen nutzen nur Pflanzen aus einer Pflanzenfamilie, manche sogar nur eine einzige Pflanzengattung. Das bedeutet: Wenn genau diese eine Pflanze fehlt, kann die Wildbiene nicht überleben.
Bernhard Ledermanns Fazit: Bunt reicht nicht. Wildbienen brauchen die richtigen Blüten. Wer Biodiversität fördern will, muss also genauer hinschauen. Ledermann empfiehlt allen Interessierten, einen Blick in den Fachartikel (Öffnet in einem neuen Tab) „Wildbienen schützen – Biodiversität von Blühmischungen unter die Lupe genommen“ zu werfen: „Da sieht man, welche Pflanzen Wildbienen am meisten helfen können. Wenn wir besser darauf achten, welche Pflanzen wir wachsen lassen, können wir echten Artenschutz betreiben.“