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Stadt Coburg

Beschaffungsamt

Nachhaltig beschaffen

Im Coburger Beschaffungsamt wird Nachhaltigkeit ganz praktisch. Schon bei Ausschreibungen zählen Umwelt, faire Arbeitsbedingungen und langlebige Produkte. Wie das konkret funktioniert und warum es am Ende einen Unterschied macht, verraten die Mitarbeitenden aus dem Beschaffungsamt.

Wie konkret nachhaltige Beschaffung aussehen kann, zeigt ein Projekt am Globe Coburg: die Ausschreibung für Pflastersteine. Die Stadt entschied sich bewusst für Naturstein, da Gewinnung und Verarbeitung vergleichsweise energiearm sind.

Der Anstoß kam aus der Stadtspitze. Oberbürgermeister Dominik Sauerteig hat früh deutlich gemacht, dass auch gelebt werden muss. „Die Politik kann von den Menschen nicht nur immer wieder Nachhaltigkeit einfordern. In meinem Selbstverständnis muss die Politik auch selbst so handeln“, sagt Sauerteig.

Gerade bei der kommunalen Beschaffung sieht er große Hebel: „Was kauft die Stadt ein – und wie?“ Diese Frage betreffe nicht nur kleine Einzelentscheidungen, sondern vor allem Bereiche mit großen Stückzahlen. „Bei Möbeln, Arbeitskleidung oder Baumaterialien kann viel für Nachhaltigkeit getan werden“, so der OB. Damit zeige die Stadt, dass nachhaltiges Handeln praktikabel sei.

Nachhaltigkeit ist kein Kampfbegriff

Dabei geht es Sauerteig auch um eine Entdramatisierung des Themas. Nachhaltigkeit sei nichts Neues, sondern lange selbstverständlich gewesen. „Socken stopfen oder die Stereoanlage reparieren – all das war früher Alltag“, sagt der OB. In einer heutigen Konsumgesellschaft sei Reparierbarkeit jedoch oft kein Interesse der Hersteller mehr. Umso wichtiger sei es, diesen Aspekt wieder mitzudenken.

Dieser Gedanke fließt jetzt auch in die Ausschreibungspraxis ein: Nicht nur Herstellung und Preis, sondern auch Lebensdauer und Reparierbarkeit spielen bei der Bewertung von Produkten eine Rolle.

Drei Säulen der nachhaltigen Beschaffung

Für Celine Schmidt und Luisa Zeder ist dieser politische Rahmen Grundlage ihrer täglichen Arbeit. Nachhaltigkeit definiert sich für sie klar über drei Säulen: ökologisch, sozial und ökonomisch.

Ökologisch gehe es um Umwelt- und Klimaschutz, etwa um Emissionen, Energieverbrauch, Transportwege oder den Einsatz recycelter Materialien. Die soziale Dimension umfasse menschenrechtliche Standards wie das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, faire Löhne oder Arbeitsschutz. Und ökonomisch bedeute Nachhaltigkeit nicht nur Sparsamkeit, sondern auch, langlebige und wirtschaftlich sinnvolle Produkte zu beschaffen, die über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg überzeugen.

Siegel, Standards – und genaue Prüfungen

Um diese Kriterien rechtssicher und nachvollziehbar in Ausschreibungen zu integrieren, arbeitet die Stadt Coburg mit anerkannten Zertifizierungen. „Häufig genutzte Siegel sind zum Beispiel der Blaue Engel, FSC- oder PEFC-Zertifizierungen für Holzprodukte, Energy Star für IT-Geräte oder Öko-Tex Standard 100 bei Textilien“, erklärt Luisa Zeder.

Dabei wartet die Stadt nicht darauf, dass Unternehmen freiwillig mit Nachhaltigkeit werben. „Wir fordern bestimmte Zertifikate gezielt in unseren Ausschreibungen“, ergänzt Celine Schmidt. Alternativ können Anbieter auch gleichwertige Nachweise einreichen – diese werden dann sorgfältig geprüft. Die Bieter müssen belegen, dass ihre Produkte tatsächlich den geforderten Standards entsprechen.

Vom Wunsch zur Ausschreibung

Der Weg zu einer nachhaltigen Beschaffung beginnt meist in den Fachämtern. Dort wird festgelegt, was konkret benötigt wird. Wie kann Nachhaltigkeit berücksichtigt werden?

Möglichkeiten sind Siegel, Materialvorgaben oder Emissionsgrenzwerte, Eignungskriterien oder Zuschlagskriterien. Bei Letzterem ist am Ende dann nicht allein Preis ausschlaggebend, sondern auch diese Kriterien zu einem bestimmten Prozentsatz. „Wichtig ist, dass alles von Anfang an transparent festgelegt wird“, betont Schmidt. Nachträgliche Änderungen sind im Vergaberecht nicht zulässig.

Das Team unseres Beschaffungsamts: Celine Schmidt, Christopher Löffler und Luisa Zeder

Lernen von den Anbietern

Bei spezialisierten Leistungen setzt die Stadt Coburg auch bewusst auf Offenheit. Bei einer Ausschreibung des Grünflächenamts wurde so ein Nachhaltigkeitskonzept gefordert. Die eingereichten Vorschläge waren umfangreich und kreativ – und lieferten neue Ideen für zukünftige Verfahren. „Wir können nicht in jedem Fachbereich alles wissen“, sagt Schmidt. „Aber die Anbieter bringen oft enormes Know-how mit.“

Pflastersteine mit Verantwortung

Wie konkret nachhaltige Beschaffung aussehen kann, zeigt ein Projekt am Globe Coburg: die Ausschreibung für Pflastersteine. Die Stadt entschied sich bewusst für Naturstein, da Gewinnung und Verarbeitung vergleichsweise energiearm sind.

Besonders wichtig waren die sozialen Kriterien. Um problematische Lieferketten auszuschließen, verpflichtete die Stadt die Anbieter zur Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen. Dazu zählen unter anderem das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, faire Löhne sowie verbindliche Arbeits- und Gesundheitsschutzstandards.

Ein zentrales Zuschlagskriterium waren außerdem die Transportwege, die mit 25 Prozent gewichtet wurden. Dafür mussten Wege und Transportmittel der Steine vom Steinbruch über alle Zwischenstationen bis zum Güterbahnhof angegeben werden.

Am Ende gingen fünf Angebote ein. Den Zuschlag erhielt das Angebot mit Granit aus dem Fichtelgebirge. Zwar gab es günstigere Angebote, doch durch die Gewichtung der Nachhaltigkeitskriterien setzte sich die umweltfreundlichere Lösung durch. „Das zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Zusatz ist, sondern echte Auswirkungen hat“, sagt Schmidt. Kontrollmechanismen und Sanktionen stellen zudem sicher, dass die Vorgaben auch eingehalten werden.

Früh anfangen lohnt sich

Gerade bei Bauprojekten gilt: Nachhaltigkeit muss von Anfang an mitgedacht werden. Durch frühzeitige Prüfungen – etwa vor Stadtratsbeschlüssen – fließen ökologische und soziale Aspekte jetzt deutlich früher in Planungen ein.

Die Arbeit, die im Beschaffungsamt der Stadt Coburg geleistet wird, findet auch außerhalb der Stadtgrenzen Beachtung. Seit Jahren ist Coburg eine der Top-Kommunen innerhalb der Metropolregion Nürnberg in der Kategorie „nachhaltigste Beschaffung pro Einwohnerin/Einwohner“. 

Was als politischer Anspruch formuliert wurde, ist damit Schritt für Schritt Teil des Verwaltungshandelns geworden. Nachhaltige Beschaffung in Coburg zeigt: Verantwortung lässt sich konkret umsetzen – wenn Politik und Verwaltung gemeinsam daran arbeiten.