Ein Garten für Blumen, Tiere und Begegnung
Bevor das Kongresshaus gebaut wurde, erstreckte sich der Rosengarten bis an die Straße – eröffnet 1929 als große Gartenschau. „Eigentlich war das ein botanischer Garten“, erklärt Historiker Boseckert. Verschiedene Blumenanlagen, Kunstwerke, ein Terrassencafé und sogar ein kleines Tiergehege mit Rehen, Hasen und Vögeln machten den Ort zu einem beliebten Ausflugsziel.
Schon damals prägte der Sintflutbrunnen das Gelände. Er stammt aus dem Jahr 1906 und war ein Geschenk der Stadt an Herzog Carl Eduard. Der Brunnen ist also älter als der Rosengarten selbst und wurde später an seinen heutigen Standort im Süden des Parks versetzt.
Mehr über das Kongresshaus erfahren Sie in „Markt 1 - der Podcast aus dem Coburger Rathaus".
Die Idee der Kongressstadt
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Coburg vor großen Herausforderungen. Die Lage an der innerdeutschen Grenze, wirtschaftliche Probleme und fehlende Perspektiven machten ein Umdenken nötig. Der damalige Oberbürgermeister Walter Langer brachte Anfang der 1950er Jahre eine neue Idee ins Spiel: Coburg sollte Kongressstadt werden.
Zunächst war ein Umbau der Reithalle am Schlossplatz im Gespräch, doch schließlich entschied sich der Stadtrat 1955 für den Standort am Rosengarten. Es folgten intensive Debatten über Größe, Nutzung und Architektur des geplanten Gebäudes – und massiver Widerstand aus der Bevölkerung.
Widerstand und Umgestaltung
Viele Coburgerinnen und Coburger wollten den Rosengarten in seiner damaligen Form erhalten. Mit dem Bau des Kongresshauses ging eine grundlegende Umgestaltung der Parkanlage einher: Der botanische Garten wurde aufgegeben, stattdessen entstand ein englischer Landschaftsgarten mit großen Rasenflächen. Ein Anwohner versuchte sogar, den Bau gerichtlich zu stoppen – letztlich ohne Erfolg.
1962 wurde das Kongresshaus eröffnet. Die Begeisterung hielt sich jedoch in Grenzen. „Von Akzeptanz von Anfang an kann keine Rede sein“, erzählt Boseckert. Besonders der Abriss des beliebten Terrassencafés und die Umgestaltung des Parks sorgten für Unmut.
Elefantentreppe, Restaurant und Anekdoten
Prägend für das frühe Kongresshaus war die große Freitreppe hinunter in den Rosengarten – im Volksmund „Elefantentreppe“ genannt. Sie führte zum Restaurant im ersten Stock. Eine Besonderheit: Die Küche befand sich im Keller, Aufzüge gab es nicht. Das führte zu der ein oder anderen kalten Suppe und wurde schnell zur Anekdote.
Umbauten für mehr Flexibilität
Ende der 1980er Jahre folgte ein umfangreicher Umbau. Der große Saal erwies sich für viele Veranstaltungen als unpraktisch – entweder zu groß oder zu klein. Ziel war es, das Kongresshaus flexibler nutzbar zu machen. Das Restaurant wurde ausgelagert, neue Konferenzräume geschaffen, der markante Anbau entlang der Ketschendorfer Straße ergänzt.
Berliner Platz und seine Bedeutung
Der Name „Berliner Platz“ hat übrigens nichts mit dem Kongresshaus selbst zu tun. Er wurde Anfang der 1960er Jahre vergeben – als Zeichen der Solidarität mit Berlin nach dem Mauerbau. Die heute sichtbaren Bären erinnern daran. Zuvor trug das Areal zeitweise den Namen Carl-Eduard-Platz, benannt nach dem letzten Coburger Herzog.
Ein Ort im Wandel
Das Kongresshaus war und ist Spiegel seiner Zeit: entstanden aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, begleitet von Protesten, mehrfach umgebaut und immer wieder neu diskutiert – etwa im Zusammenhang mit Ideen für ein Kongresshotel, die letztlich nie umgesetzt wurden.
Heuer steht erneut ein Umbau an. Seit Mitte Februar ist das Kongresshaus vorübergehend geschlossen, um Technik und Infrastruktur zu erneuern. Wenn alles nach Plan läuft, öffnet es Ende Juni oder Anfang Juli wieder seine Türen – bereit für die nächsten Kapitel seiner bewegten Geschichte.