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Stadt Coburg

Coburger Rathaus

Die ältesten Nachrichten über ein Rathaus der Stadt Coburg stammen aus dem letzten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts. Ein Rathaus auf dem Kirchhof wird 1405 und 1407 erwähnt, ein "neues Rathaus" auf dem Markt im Jahre 1414.

Das Rathaus symbolisierte die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Stadt gegenüber ihrem Landesherrn. Diese Unabhängigkeit hat sich die Coburger Bevölkerung im 14. Jahrhundert erkämpft. Schon 1324 besaß die Stadt das Recht, Steuern zu erheben. 1331 verlieh Kaiser Ludwig IV. Coburg erweiterte Stadtrechte nach Schweinfurter Vorbild. Solche Rechte und Freiheiten konnten langfristig nur durch die Einrichtung neuer Institutionen und Behörden durchgesetzt werden. Infolgedessen kam es zum Aufbau einer Stadtverwaltung. Ein Rat mit sechs Mitgliedern wird erstmals 1343 erwähnt. Die von ihm gewählten Bürgermeister sind seit 1351 nachgewiesen. In dieser Zeit dürfte auch das erste Rathaus entstanden sein, das sich damals am Kirchhof befand. Doch schon bald errichtete die selbstbewusste Kommune ein neues größeres Rathaus. Dieses entstand 1414 am neu angelegten Markt. Es besaß ein hohes und steiles Dach mit einem Dacherker, an dem das Zifferblatt einer Uhr angebracht war. 

Dieser Bau erwies sich nach über 100jährigem Gebrauch als zu klein für die wachsende Stadt. Der Rat erwarb daher 1570 das Haus an der Südostecke des Marktes und ein anstoßendes Grundstück in der Ketschengasse hinzu und beauftragte den aus Überlingen stammenden Steinmetz und Baumeister Hans Schlachter mit der Errichtung eines Erweiterungsbaus. 1580 waren die Bauarbeiten durch Schlachter und dem Coburger Stadtbaumeister Paul Weißmann abgeschlossen. Die Stadt besaß nun ein stattliches Renaissance-Rathaus, das mit seinem hohen, volutengeschmückten Giebel und dem prächtigen Erker mit dem daneben aufragenden gotischen Alten Rathaus eine eindrucksvolle Baugruppe bildete. Damit stand der Gebäudekomplex repräsentativ in Kontrast zur gegenüberliegenden herzoglichen Kanzlei (heutiges Stadthaus).

"Der Gemächer auf diesem alten und neuen Rathaus bedienet sich teils Hochfürstliche Herrschaft, teils der Rat und zum Teil gemeine Stadt und Bürgerschaft. In dem Unterstock ist die Ratsstube, worinnen sich der regierende Bürgermeister täglich, die übrigen Rats-Glieder aber wöchentlich 3 mal bei denen Rats-Sessionen finden lassen.
Ein sehr großer Saal im selbigen Stock, der Tanzboden genannt, wird bei gemeinen Hochzeiten für einen Tanzplatz, sonsten aber bei Jahrmarktszeiten von denen Tuchhändlern zur Verkaufung Ihrer Tücher gebrauchet.
Unten im Hof wohnet der Zolleinnehmer, welcher zugleich den Ratskeller, darinnen allerhand Weine verzapfet werden, mit versiehet."
(Höhn, Sachsen-Coburgische Historia 1700)

Markt mit Rathaus und Fontäne am Abend
Markttag vor dem Rathaus
Rathaus am Abend
Rathaus am Abend
Rathaus am Markt
Rathaus mit Brunnen am Abend
Rathaustür, Haupteingang des Rathauses
Prachtvolle Säulen und Decken im Treppenhaus des Rathauses

Der Chronist (Hönn, Sachsen-Coburgische Historia 1700) erwähnt in diesem Bericht nicht den über dem Tanzboden gelegenen ebenso großen Saal im zweiten Stock des Rathauses. Mit seiner kostbaren, auf drei gedrehten Holzsäulen ruhenden geschnitzten Balkendecke war dieser Raum der Stolz der Bürgerschaft und galt als der repräsentative Festraum der Stadt. Die Wände waren noch mit den Bildnissen aller früheren Bürgermeister geschmückt. Hier wurden die Hochzeiten reicher Bürger gefeiert sowie allerlei Tanzlustbarkeiten und Schmausereien veranstaltet, zu denen auch die in Coburg residierenden Fürstlichkeiten geladen waren und gerne kamen.

"Der letzte Tanzgast des Rathauses war der Kunst- und Gewerbeverein, der wohl bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts beim Stiftungsfest einen Ball, und zwar unter Beteiligung aller Kreise der Bewohnerschaft Coburgs abhielt. Auch der sich gern im Kreise der Bürgerschaft bewegende leutselige Herzog Ernst II. nahm wiederholt an diesen Stiftungsfeiern auf dem Rathause teil, in eigener Person mit der Polonaise den Ball eröffnend."
(Tobias Quark)

Ein tiefgreifender Umbau in den Jahren 1750-52 fasste die verschiedenen Gebäudeteile zu einem einheitlichen Ganzen zusammen. Der Renaissancetrakt verlor seinen, dem Markt zugekehrten dreistöckigen Giebel, der ebenso wie das hohe gotische Dach des alten Rathauses einem schweren, von einem eleganten Dachreiter bekrönten Mansarddach weichen musste, das nunmehr beide Häuser bedeckte. Die alten Haussteinfassaden verschwanden unter farbigem Putz, der die ganze Marktfront überzog. Ein flacher, mit Rokokoornamenten ausgefüllter und mit einer in Kupfer getriebenen Mauritiusfigur geschmückter Dreiecksgiebel bezeichnete fortan die Mitte der von rustizierten Pilastern leicht gegliederten Fassade.

Ein weiterer Umbau wurde 1903-05 notwendig. Die Fassade blieb dabei im Wesentlichen bestehen. Dem Rathaus wurden ein Balkon mit Gitterbrüstung vorgelegt, die Erdgeschossfenster und der Eingang in Neubarockformen erneuert und vergrößert sowie das Vestibül und Treppenhaus in einem mit Rokokoelementen angereicherten Jugendstil von Grund auf neu gebaut. Die beiden Säle fielen durch eingezogene Zwischenwände dem Bedürfnis nach mehr Büroräumen zum Opfer. 1952 konnte wenigstens der obere Saal wieder in seiner alten Schönheit hergestellt werden.

Während des „Dritten Reiches“ entwickelte sich das Rathaus zu einer nationalsozialistischen Erinnerungsstätte. Anlass war das 1931 erstmalige Hissen der Hakenkreuzfahne auf einem öffentlichen Verwaltungsgebäude in Deutschland. 1929 hatte die NSDAP bereits die absolute Mehrheit im Stadtrat gewonnen. Infolgedessen sollte das Rathaus Richtung Rosengasse erweitert und in einem neoklassizistischen Stil umgestaltet werden. Als besonderer architektonischer Schmuck wollte die Stadt einen „Führererker“ mit einem Halbrelief Adolf Hitlers und einiger seiner Zitate an die neue Fassade anbringen. Das Projekt kam wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs 1939 nicht zur Ausführung.