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Stadt Coburg

Straßennamen

Ilse-Kohn-Platz

Das Schicksal Ilse Kohns und dass ihrer Familie steht beispielhaft für die Brutalität und Grausamkeit, welche die Juden in der Zeit des Nationalsozialismus erleiden mussten. Daran will die Stadt Coburg an dieser Stelle seit 2022 erinnern.

Ilse Kohn (1906-1942)

3. Bürgermeister Can Aydin und 2. Bürgermeister Hans-Herbert Hartan gedenken der ermordeten Coburger Jüdin Ilse Kohn.

Ilse Kohn kam 1906 als Tochter des aus Böhmen stammenden jüdischen Textilkaufmanns Siegfried Kohn und seiner Ehefrau Hermine in Coburg zur Welt. Zwei weitere Geschwister starben früh. Seit 1909 lebte sie mit ihren Eltern in einer Wohnung des Hauses Mohrenstraße 36.

Als junges Mädchen erlebte sie in Coburg die Auswirkungen des 1. Weltkrieges und vor allem die als schmerzlich empfundene deutsche Niederlage. Viele gaben fälschlicherweise den Juden die Schuld für diese Schmach, allen voran Adolf Hitler und seine Bewegung. So wuchs Ilse Kohn in einem immer stärker werdenden antisemitischen Klima auf.

Mit 26 Jahren erlebte sie Hitlers „Machtergreifung“ und das Scheitern der Weimarer Republik. Für Juden war es nun gefährlich, in Deutschland zu bleiben. Das musste die Familie schon zu Beginn des sogenannten Dritten Reiches erfahren. Vater Siegfried wurde Ende März 1933 in die berüchtigte Prügelstube in der sogenannten Alten Herberge gebracht und dort schwer misshandelt.

Ein Jahr später verließ Ilse Kohn Coburg, nachdem sie zuvor den niederländischen Konditor Moses Pool in der Vestestadt geheiratet hatte. Beide ließen sich in Amsterdam nieder. Die Ehe sollte aber nicht glücklich werden. Sie blieb kinderlos und wurde 1937 geschieden. Unter ihrem Mädchennamen lebte sie weiter in Amsterdam und arbeitete als Haushälterin.

Im Jahr ihrer Scheidung wurde ihr Vater nach Zeugenaussage einer Hausangestellten von einem NS-Fanatiker ermordet. Die Propaganda machte daraus einen unpolitischen Raubmord.

1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. Infolge der Kriegshandlungen marschierte die Wehrmacht 1940 in die Niederlande ein. Mit dem Militär drang auch die Judenverfolgung in dieses Land. Ilse Kohn wurde von ihr nach zwei Jahren Besatzungszeit erfasst. Ende Juli 1942 kam sie ins Durchgangslager Westerbork. Von dort aus wurde sie rund einen Monat später in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und kurz nach ihrer Ankunft im Alter von 36 Jahren ermordet.

Vor ihr kamen ihre Mutter Hermine, ihr Onkel Max, ihre Tante Jenny und ihr Vetter Karl unter grausame Weise in verschiedenen Ghettos und Konzentrationslager ums Leben. Vom Schicksal eines weiteren Cousins ist nichts weiter bekannt. Keine andere jüdische Familie Coburgs erlitt ein derart brutales Schicksal. 

Das Schicksal Ilse Kohns und dass ihrer Familie steht beispielhaft für die Brutalität und Grausamkeit, welche die Juden in der Zeit des Nationalsozialismus erleiden mussten. Daran will die Stadt Coburg an dieser Stelle seit 2022 erinnern.  

Über 70 Jahre hatte der Platz vor dem Stadtcafé keinen Namen. Jetzt erinnert er an die Coburger Jüdin Ilse Kohn, die im KZ Auschwitz von den Nazis ermordert worden ist. Coburgs Geschichte ist nicht nur royale Herrlichkeit mit Albert und Victoria. Wie gehen wir mit den dunklen Kapiteln um? Ein historischer Spaziergang mit Stadtheimatpfleger Dr. Christian Boseckert.

Weitere Informationen

  • Der Platz vor dem Gräfsblock ist nach der Coburger Jüdin Ilse Kohn benannt. Für diese Widmung hat die Stadt Coburg ein besonderes Datum gewählt.
  • Erinnerungskultur

    Geschichte als Verantwortung

    Die Nazis wollten Coburgs Aussehen prägen. Umgesetzt wurde zum Glück kaum etwas. Eine Ausstellung auf dem Ilse-Kohn-Platz will die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der Stadtgeschichte lebendig halten.
  • „Erinnerung ist das Geheimnis der Erlösung.“ Diese Worte äußerte einst ein jüdischer Geistlicher. Die Stadt Coburg nimmt sich die Aussage zu Herzen und beteiligt sich an dem bundesweiten Projekt „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig.
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